[Rezension] Lucy Clarke – The Sea Sisters

„Katies geordnetes Leben in London bricht zusammen, als ihre eigenwillige jüngere Schwester Mia auf Bali tot aufgefunden wird: Sie stürzte von einer Klippe. Die Polizei behauptet, es sei Selbstmord gewesen. Nur mit Mias Reisetagebuch als Leitfaden geht Katie den letzten Monaten im Leben ihrer Schwester nach und beginnt Seite für Seite, das Geheimnis um ihren Tod zu lüften. Was sie herausfindet, verändert alles. Aber was, wenn die Wahrheit die Liebe zu ihrer Schwester – und sie selbst – an den Rand des Abgrunds bringt?“
Autorin: Lucy Clarke
Titel: The Sea Sisters
Übersetzung: Astrid Mania
Genre: Roman
Seitenzahl: 368
Erscheinungsdatum: 30. April 2026
Verlag: dtv
Preis: 13,99€ (Taschenbuch); 9,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Nachdem ihr Vater sie früh verlassen hat und nun auch noch ihre Mutter verstorben ist, sind die beiden Geschwister Katie und Mia auf sich gestellt und raufen sich mehr oder weniger zusammen. Bis Katie eines Tages die Nachricht erhält, dass Mia während ihrer Weltreise auf Bali verunglückt ist. Die zurückgebliebene Katie folgt nun ihren Spuren, um zu verstehen, was passiert ist. Anhand ausführlicher Tagebucheinträge taucht sie immer tiefer in die Vergangenheit ein und reist Schritt für Schritt dieselben Stationen ab wie ihre Schwester, um herauszufinden was passiert ist…
Wenn ich mich an die letzten Werke von Lucy Clarke erinnere, dann waren das für mich immer klassische Destinations-Thriller. Atmosphärische Settings, besondere Orte, ein Todesfall, Geheimnisse und dieses unterschwellige Miträtseln. Genau das habe ich hier auch erwartet. Und ja, auch hier reisen wir durch verschiedene Orte, aber diese Destinationen haben eine ganz andere Funktion. Sie sind eher Mittel zum Zweck und tragen kaum zur Spannung oder zur eigentlichen Handlung bei, wie ich es sonst von ihr gewohnt bin.
Man darf außerdem nicht vergessen, dass es sich um eine Neuauflage ihres Debüts von 2012 handelt. Im Vergleich zu ihren neueren Büchern merkt man, dass hier noch nicht ganz die gleiche erzählerische Routine und Dynamik vorhanden ist. Trotzdem ist das ein starker früher Roman, der zeigt, was sie schon damals konnte.
Außerdem ist dieses Buch als Roman eingeordnet und eben nicht als Thriller. Und das merkt man deutlich. Während zwar andere Bücher von ihr trotz Roman-Einordnung oft eine spürbare Spannung hatten, ist „The Sea Sisters“ deutlich ruhiger. Die Geschichte lebt nicht von Nervenkitzel, sondern von Emotionen, Erinnerungen und der Dynamik zwischen den Schwestern.
Für mich war das ehrlich gesagt eine ziemliche Umstellung. Diese Unterzeile unter dem Buchtitel, die etwas in Richtung Geheimnisse und Spannung andeutet, weckte bei mir Erwartungen, die das Buch so nicht erfüllen konnte. Es gibt zwar eine gewisse Form von Spannung, aber nicht die, die man sucht, wenn man sonst hauptsächlich Thriller liest. Es ist kein Buch, das einen durch Plot-Twists antreibt, sondern eines, das sich langsam entfaltet.
Was sich für mich durch das ganze Buch zieht, ist diese bittersüße Schwere. Es gibt schöne Momente, in denen man mitfühlt und auch mal lächelt. Gleichzeitig liegt aber von Anfang an ein Schatten über allem, weil man weiß, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Das Wissen um das Ende von Mia macht das Lesen stellenweise schwer und melancholisch. Und dafür muss man einfach in der richtigen Stimmung sein. Ich habe beim Lesen gemerkt, dass ich das nicht war. Ich wollte Spannung und einen Thriller mit Sommerfeeling. Stattdessen habe ich ein emotionales Familiendrama bekommen.
Am Ende ist „The Sea Sisters“ ein gutes Buch, aber hat eben meine Erwartungen nicht erfüllt. Es hat eine ganz eigene, ruhige Intensität und wird definitiv seine Leserschaft finden. Wer emotionale, eher schwermütige Geschichten mit Fokus auf Beziehungen und Vergangenheit mag, wird hier sicherlich viel herausziehen können. Wer allerdings einen klassischen Lucy Clarke Thriller erwartet, sollte wissen, dass dieses Buch in eine ganz andere Richtung geht.
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